Beispielhafte Generationenkirche

2019_FGK_Glarus_Essen_in_Stadtkirche_190510_08_bear_300dpi<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-gossau-flawil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>463</div><div class='bid' style='display:none;'>6633</div><div class='usr' style='display:none;'>51</div>

Gespensterjagd im Glockenturm? Tango-Gottesdienst? Oder gar «Wine And Dine And Organ» als etwas ungewöhnliche Trinität? - Dreimal Ja in der Kulturkirche Glarus!
Daniela Zillig,
Am 10. Mai reiste eine kleine Delegation aus Flawil ins Glarnerland, um sich inspirieren zu lassen, denn in der imposanten Stadtkirche Glarus wird neben dem Feiern, dem Alltag und dem Lernen seit einigen Jahren auch das vierte Element des Generationenprojekts, nämlich die Kulturkirche ganz bewusst gelebt.

Ein reichbefrachtetes Programm
Der Tag begann mit einer waghalsigen Turmbesteigung und einem kurzen Konzert, das den ganzen klanglichen Reichtum der bald achtzigjährigen Kuhnorgel zur Geltung brachte. Dann wurden die verschiedenen Kulturangebote, darunter auch die eingangs erwähnten, vorgestellt und inspirierten zum Weiter- und Über-Die-Gewohnten-Grenzen-Hinausdenken. Da gab es zum Beispiel Kinder, die in der Kirche übernachten und Hot-Dog essen durften, Filmvorführungen mit Live-Orgelbegleitung, einen Guggen- oder einen Jodel-Gottesdienst: alles erfolgreiche Veranstaltungen, die auch Menschen in die Kirche brachten und zu einer Auseinandersetzung anregten, die normalerweise keinen Fuss in das Gebäude setzen würden.
Weiter erhielt man Einblick in die Finanzierung oder aber das Sponsoring kultureller Anlässe sowie die Kosten für Aussenstehende. Weiter: wie wichtig die Absprache und Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Anbietern im Ort und in der Region ist. Denn man will niemanden konkurrenzieren, sondern die Region kulturell bereichern und Nischen besetzen.

Wo bleibt die klassische Musik?

Eine Teilnehmerin beschrieb den gesellschaftlichen Stellenwert der klassischen Musik in drastischen Zahlen: Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung fühlen sich in der klassischen Musik zu Hause und sogar nur drei Prozent sind Orgelfans. Soll das nun heissen, dass diese Minderheitenprogramme gestrichen werde sollten?
Nein, aber es geht darum Möglichkeiten zu finden die anderen neunzig Prozent auch zu erreichen: mit anderen Formen der Musik - oder auch ohne Musik, nämlich mit Tanz, Theater, darstellender Kunst oder anderen Events. Und, wie die Kirchenchorleiterin aus Ennenda betonte, mit dem Willen, den Menschen die Möglichkeit zu geben, klassische Musik kennenzulernen – zum Beispiel in einem Kirchenchor.

Die entscheidende Ressourcenfrage
Viele Engagierte, vom Mesmer bis zur Organistin und vom Pfarrehepaar bis zur Kulturverantwortlichen der KiVo kamen zu Wort, erzählten, wie sich ihr Berufsbild verändert hat, worauf man achten muss und was sie motiviert. Dabei kam deutlich zum Ausdruck, dass es bei allem Engagement nicht reicht, die Kulturkirche einfach noch auf die anderen Elemente draufzupacken, sondern dass sie ein gleichwertiges Element in dem sich gegenseitig inspirierenden Kräfteviereck sein muss. Das heisst, andere Teile müssen losgelassen werden, um Platz für das Neue zu schaffen.
Das braucht mutige Entscheide und die Überzeugung, dass eine lebendige Kirche heute offene Türen hat, es muss eine Kirche sein, die Menschen einlädt, auf sie zugeht und, fast noch wichtiger, alles Berührtwerden durch ein übergeordnetes Ganzes als Gottesdienst sieht – und nicht, wie es ein kritischer Teilnehmer formulierte, als «Rückzugsgefecht einer verunsicherten Kirche».

Schlussgedanken
Eine funktionierende Kulturkirche holt zwar Menschen in die Kirche, soll andererseits aber zu den Menschen auch an ungewohnten Orten hingehen.
Interessant wird es sein zu sehen, wie das Konzept für die Kulturkirche Flawil, das im Juni vorgestellt wird, mit den vielen Herausforderungen und Möglichkeiten umgehen wird. Und noch interessanter: Wie das Ganze dann von den KirchbürgerInnen mitgetragen und praktisch umgesetzt wird.

Christof Hotz
Autor: Daniela Zillig     Bereitgestellt: 15.05.2019     Besuche: 20 Monat  
aktualisiert mit kirchenweb.ch