Gedanken zum Ostersonntag, 12. April 2020

„Wer wird uns den Stein wegwälzen?“

Was mich in der Corona-Krise besonders traurig stimmt ist die Tatsache, dass wir uns nicht wie sonst von unseren Verstorbenen verabschieden können. Es herrschen strenge Regelungen im Todesfall. Abdankungen können nur im engsten Familienkreis auf dem Friedhof stattfinden. Ein Abschiedsgottesdienst in der Kirche ist untersagt.

Die fehlende Möglichkeit, um miteinander zu trauern und zusammen in der Gemeinschaft Abschied zu nehmen, verunmöglicht einen wichtigen Teil des Trauerprozesses. Denn gerade im Trauerfall sind die Erfahrung der gemeinsamen Betroffenheit und das Erleben einer tragfähigen Gemeinschaft wichtig. Es ist als ob ein grosser Stein im Weg liegt und den natürlichen Trauerprozess behindert.

„Wer wird uns den Stein wegwälzen?“ Dieser Satz stammt aus der heutigen Lesung zu Ostern. Er ist im Markusevangelium zu finden (Mk. 16,3) und ist Teil einer Nacherzählung über die Ereignisse des ersten Ostermorgens. Es wird berichtet wie drei Frauen unterwegs zum Grab Jesu waren: Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome. Sie wollten dem getöteten Jesus die letzte Ehre erweisen. Sie brachten wohlriechende Öle mit, um den Leichnam zu salben. Ein solches Ritual gehörte damals zur üblichen Bestattungskultur. Und dies war wohl die letzte liebevolle Handlung, welche die Hinterbliebenen für einen Verstorben tun konnten, als ein letztes Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit.

Gemäss der damaligen Bestattungsformen gab es auch Gräber, die in einen Felsen gehauen wurden. Ein Stein wurde vor den Eingang gerollt, um so das Grab zu verschliessen. Um es aber wieder zu öffnen, brauchte dies viel Kraft, über welche die drei Frauen nach eigener Schätzung nicht verfügten. Auf dem Weg dorthin beschäftigte sie deshalb die Frage: „Wer wird uns den Stein wegwälzen?“

Ohne eine Antwort auf ihre Frage zu haben, machten sie sich auf den Weg zum Grab.
Und als sie sich dem Grab näherten, merkten sie, dass der Stein schon zur Seite geschoben war!

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, das Bild vom Stein hat etwas Symbolhaftes an sich. Der Stein steht für alles, was uns im Leben behindert. Wenn der Stein weggerollt ist, entstehen neue Lebensmöglichkeiten.

Möge an diesem Ostertag 2020 das Vertrauen in uns wachsen, dass uns geholfen wird. Denn Gott will uns den Weg öffnen, damit wir all das überwinden können, was das Leben in uns und um uns herum verunmöglichen will, so wie es damals am ersten Ostermorgen geschah.

Darum können wir auch mit den folgenden Worten beten (Rise Up Plus, 223):

Gott, Du bringst all unsere Steine ins Rollen.
Unser Leben kommt in Bewegung
unsere Hoffnungen kommen ans Licht
durch Jesus Christus,
Freund aller Menschen.
Amen


Pfr. Mark Hamtpon
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