Gedanken zum Sonntag, 22. März 2020

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht (Wochenspruch: Joh 12,24)

Es ist ein komisches Gefühl einkaufen zu gehen und am Eingang ein «Märkli» zu erhalten, damit nicht mehr als die vom Bundesrat erlaubten Personen im Laden sind.
Es ist ein noch komischeres Gefühl, dass die wenigen Menschen, die man unterwegs trifft, einen Bogen um einen selbst machen oder ich einen Bogen um sie mache. Die Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung des Coronavirus haben einschneidende Auswirkungen auf unser aller Leben. «Social Distancing» - körperlich Abstand voneinander halten - ist das Gebot der Stunde.

Menschen sind doch soziale Wesen, brauchen den Kontakt zueinander. Es ist schwer genau darauf verzichten zu müssen.
Andererseits geht eine grosse Welle der Solidarität durch die Gesellschaft. Da werden Nachbarschaftshilfen aktiviert für Menschen, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht rausgehen sollten. Es gibt Telefonketten, damit die nötige körperliche Distanzierung nicht in sozialer Isolation endet, es wird applaudiert auf den Balkonen für Pflegekräfte und Ärzt*innen, die in den Spitälern rund um die Uhr einen Rieseneinsatz leisten.
Es werden Gebete gesprochen und entworfen, Kerzen zum Zeichen der Solidarität aufgestellt.
Es ist eigentlich trotz der Krise überwältigend, dass so viel an Solidarität und Gemeinschaftssinn entsteht. Dass so viele Menschen sich kümmern, aufmerksam sind und nach Lösungen suchen die nächsten Wochen so zu gestalten, dass dieses Virus eingedämmt wird und niemand allein bleibt.

Kirchliches Leben besteht zu einem grossen Teil aus sozialen Kontakten und Begegnungen. Diese sind nun auf ein Minimum eingeschränkt. Viele Kirchgemeinden tragen ihren Teil dazu bei zu der oben beschriebenen Solidaritätswelle.

Kirche hat jedoch auch noch einen anderen Schatz.

Gerade in dieser Passionszeit bedenken Christ*innen besonders den Leidensweg Jesu. Das heisst: Christ*innen wissen um die Brüchigkeit und Endlichkeit des Lebens. Christ*innen wissen, dass Krisen und Unverständliches, ja der Tod selbst ausgehalten werden müssen.
Evangelium verkündigen heisst darum, darauf zu hoffen:
Gott selbst hat die Angst und die Ungewissheit ertragen.
Gott ist den Menschen im Leid, im Ungewissen, in der Angst besonders nahe.

Dies dürfen wir hoffen und einander zusprechen, wenn die Isolation uns zu schaffen macht, wenn wir uns um liebe Menschen sorgen und die Krise uns existentiell trifft.
Gott weiss um unsere Angst und Sorgen und trägt sie mit. Wir sind nicht allein.

So können wir mit Dietrich Bonhoeffer beten:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost, was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Amen


Pfrn. Melanie Muhmenthaler
2018-12-27 08.28.13 (002)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-gossau-flawil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>112</div><div class='bid' style='display:none;'>7734</div><div class='usr' style='display:none;'>92</div>