Gedanken zum Sonntag, 17. Mai 2020

Der heutige Sonntag wäre für 18 Jugendliche ein ganz besonderer Tag: ihre Konfirmation mit Gottesdienst und anschliessendem Familienfest. Sie haben sich lange darauf gefreut. Und mit ihnen natürlich auch ihre Familien und ich mit Christina Egli und Lucas Kägi, das Team, das die jungen Menschen über 3 Jahre begleitet hat. Doch leider musste der Gottesdienst und das Fest wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Kurz vor dem Lockdown haben wir die Jugendlichen getroffen. Wir waren alle enttäuscht, da das Konf-Wochenende abgesagt wurde. Dennoch haben wir das Thema für die Konfirmation erarbeitet – noch im Glauben, dass bis im Mai alles überstanden sein wird.

„Zukunft“ – so das hoffnungsvolle Thema der Jugendlichen. Sie stehen an einem Punkt in ihrem Leben, an dem die Zukunft beginnt mit ihrem Erwachsenwerden. Viele beginnen eine Lehrstelle im Sommer oder gehen auf weiterführende Schulen. Was wird die Zukunft bringen?

Fragen und Gedanken, Hoffnungen und Ängste, die in den vergangenen Wochen nach dem ersten Schrecken über diese einmalige Situation wohl die meisten Menschen beschäftigt haben. Die Jugendlichen mussten um ihren Schulabschluss bangen, darum, ob sie ihre Lehre im Sommer überhaupt beginnen können. Maturaprüfungen und Lehrabschlussprüfungen von älteren Geschwistern waren unklar. Ihre Eltern entweder rund um die Uhr zu Hause im Homeoffice oder in Sorge um eine Arbeitsstelle oder auch unter Druck in vollem Einsatz mit einer Arbeit im Lebensmittelgeschäft, Spital oder einem anderen betreuenden, pflegendem Beruf. Die Grosseltern als Risikogruppe durften nicht besucht werden.

Die Gegenwart kann momentan besorgniserregend sein. Andere können die viele freie Zeit, die Entschleunigung geniessen. Endlich wieder einmal Zeit… Ich habe in den letzten Wochen mehrmals gedacht, welch ein Luxus es für mich ist, in einem grossen Haus mit Garten leben zu dürfen – ohne Sorge um meine Existenz. Ich vermute, den meisten meiner Konfirmand*innen ging es ganz ähnlich. Wahrscheinlich waren sie erst einmal vom Druck der Schule mehr befreit als vom Lockdown beengt. Ihr Vertrauen und ihre Hoffnung auf eine schöne und aufregende Zukunft lassen sich nicht so leicht erschüttern. Vielleicht können wir das von ihnen lernen: Vertrauen, dass es kommt, wie es kommt und das Beste aus der Situation machen. Dieses Vertrauen ins Leben konnten viele meiner Konfirmand*innen aufbauen, dank liebevoller und zuverlässiger familiären Bindungen. Auch wenn diese wohl naturgemäss im Teenageralter strapaziert werden und das Zuhausebleiben die Ablösungskonflikte und den Streit in der Familie befördern. Auch wenn nach sechs Wochen wohl sogar die Schule fehlt, besonders aber die Hobbies im Fussball- oder Handballverein und das sich treffen können.

Diese jungen Menschen, „unsere“ Konfirmand*innen, vertrauen dennoch in eine gute, lebensfrohe Zukunft. Nicht nur für sich, sondern auch für die Welt. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls von ihnen in diesen Jahren, in denen ich sie begleiten und unterrichten konnte, gewonnen. Mit jungen Menschen, wie ihnen, dürfen wir getrost in die Zukunft blicken. Sie werden ihre Wege gehen und werden hoffentlich die Welt aktiv gestalten. Auf ihrem Weg wünschen wir ihnen Gottes Segen, der das Vertrauen und die Hoffnung in die Zukunft nährt. Wie es im Propheten Jeremia steht:
Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe, – so Gottes Spruch – Pläne des °Friedens und nicht des Unglücks; ich will euch Zukunft und Hoffnung geben.

Pfrn. Melanie Muhmenthaler