Gedanken zum Auffahrtssonntag, 21. Mai 2020

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

In den letzten Tagen habe ich immer wieder in den Himmel geschaut! Die Flugzeuge, die vor dem Lockdown am Abendhimmel zu beobachten waren, wie sie kurz vor Flawil Richtung Kloten abdrehen, sind nicht mehr zu sehen. Es gibt seither selten blinkende Lichter am Himmel.

Dafür gibt es andere ‚Fliegende‘ zu sehen! Es sind die roten Milans, die meine Aufmerksamkeit wecken. Mit dem Aufwind gleiten sie immer höher, um sich dann plötzlich im rasanten Steilflug der Erde wieder zu nähern. Es ist faszinierend, wie die roten Milans beides verbinden, den Himmel und die Erde.

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Dieser Satz stammt aus der Erzählung, in der über die Auffahrt Christi berichtet wird. Dem Zeugnis des Neuen Testaments nach erscheint der auferstandene Christus während 40 Tagen den Seinen immer wieder, geht auf ihre Fragen und Anliegen ein. Danach wird er dann endgültig vor ihren Augen emporgehoben, von einer Wolke umhüllt und ihren Blicken entzogen. Auffahrt ist somit ein theologisches Bild, welches die Heimkehr Jesu thematisiert. Jesus kehrt zu Gott zurück. So wundersam wie sein Leben begonnen hat, so hört es auch auf. Der Kreis schliesst sich. In ihm werden Himmel und Erde verbunden. Anfang und Ende berühren einander und lassen die ‚Hinterbliebenen‘ auch nicht unberührt. Denn mit Auffahrt bricht eine neue Zeit an, unsere Zeit.

Die Apostelgeschichte erzählt von dieser neuen Zeit, in der die Christ*innen eine grössere Verantwortung übernahmen. Jesus war nicht mehr da, um schwierige Fragen zu beantworten oder knifflige Probleme zu lösen. Den Christ*innen damals wurde zugemutet, dass sie für ihre Situation eigene Lösungsansätze entwickeln. Im Vertrauen auf Gott und im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten übernahm die Frühkirche für sich und ihre Umwelt Verantwortung.

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ In diesem Zusammenhang tönt der Satz wie eine Aufforderung: Trödle nicht herum und erwarte nicht, dass vom Himmel her alle Antworten auf deine Probleme zufallen! Werde erwachsen und übernimm Verantwortung für das eigene Tun und Handeln! Auf diese Weise ist die Zeit nach Auffahrt unsere Zeit, in der wir speziell gefragt sind.

Liebe Gemeinde
Mit Auffahrt bricht eine andere Zeit an, in der wir als ‚Hinterbliebene‘ selber Verantwortung übernehmen müssen. Mit ihren 28 Kapiteln erzählt die Apostelgeschichte, wie die Jünger*innen damals beteten und wirkten, hofften und litten. Sie berichtet von grossartigen Entwicklungen und von bitteren Enttäuschungen, von kühnen Plänen und von menschlichen Unzulänglichkeiten. Das 29. Kapitel dieser Geschichte, die mit Auffahrt beginnt, ist unsere Geschichte, die wir mit unserem Leben heute schreiben. Gott traut uns zu, dass wir unsere Möglichkeiten nutzen, zur Ehre Gottes und zur Freude unserer Mitmenschen.
Frohe Auffahrt!

Pfarrer Mark Hampton


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