Gedanken zum Sonntag, 29. März 2020

„Wachet!“ (Monatsspruch: Markus 13,37)

Gestern erzählte mir einer meiner Söhne von seinem Zivilschutz-Aufgebot. Er soll einrücken, um beim Eingang eines lokalen Spitals Wache zu halten. Nun steht er in seiner olivgrün-orangen Uniform im Einsatz, um diejenigen zu schützen, die in weiss-blauer Bekleidung im Spital über andere wachen. Da spüre ich in mir eine grosse Dankbarkeit den unzähligen Menschen gegenüber, die sich engagieren, um andere in der momentanen Ausnahmesituation zu beschützen und zu umsorgen.

Ich denke auch an die Frauen und Männer in der Politik und in der Wirtschaft, die sich Gedanken über mögliche Szenarien machen. Sie tragen die Verantwortung in der aktuellen Situation wachsam zu sein und notfalls mutige Beschlüsse zu fassen, um Risikogruppen sowie Arbeitsstellen zu schützen. Da spüre ich in mir eine leise Hoffnung, die in mir aufkeimt, weil so viele Menschen Verantwortung wahrnehmen und versuchen das Beste in der aktuellen Lage zu machen.

Zum Thema „Wachet“ fasst das Markusevangelium in Kapitel 13 unterschiedliche Worte Jesu zusammen. Jesus erzählt vom Feigenbaum, dessen Blätter im Frühjahr das Kommen des Sommers anzeigen. Dies wird zum Aufruf, die Zeichen der Zeit zu erkennen (v. 28f). Und mit dem Gleichnis von den Knechten, die wach sein sollen, wenn ihr Herr zurückkommt (V. 34-37), verdeutlicht Jesus, was hinter seiner Rede steht. Wir sollen uns nicht von den Ängsten in unsicheren Zeiten lähmen lassen, sondern lebens- sowie handlungsfähig bleiben. Das heisst wach sein und das tun, was er vorgelebt hat. Mit diesem Wort Jesu entlässt Markus die Leserinnen und Leser in die Karwoche.

Auch wir kennen Sorgen und Ängste speziell in der Zeit, in der wir uns befinden. Wie soll es bloss weitergehen? In alldem ist es wichtig, die vielen Möglichkeiten nicht zu übersehen, was wir zur Besserung der Lage beitragen können. Aus Rücksicht und mit Weitsicht halten wir uns an die Vorgaben von Bund und Kanton. Aus Dankbarkeit und mit einer Prise Gelassenheit lassen sich Ideen entwickeln, wie wir ein Zeichen der Verbundenheit setzen können: Karten schreiben, telefonisch in Kontakt bleiben, Botengänge tätigen, Kinder betreuen, für andere beten, etc.

In dieser momentanen Ausnahmesituation sind wir dazu aufgerufen, wachsam zu sein, um die Zeichen unserer Zeit zu erkennen und zum Wohl unserer Mitmenschen zu handeln - ob im Zivilschutz oder im Spital, ob in der Politik oder in der Wirtschaft, ob in der Nachbarschaft oder im Familienkreis.

Dazu braucht es Gelassenheit sowie Mut, um für unsere Mitmenschen Wache zu stehen! Mit den Worten von Reinhold Niebuhr können wir auch dafür beten:

Gott, schenke mir Gelassenheit,
das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann,
Mut, das zu ändern, was ich ändern kann,
und Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Amen



Pfr. Mark Hampton

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