Gedanken zum Sonntag, 5. April 2020

Karwoche ist Care-Woche

Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem das Pessachlamm geschlachtet werden musste. Und Jesus schickte Petrus und Johannes mit den Worten: «Geht und bereitet das Pessachmahl für uns vor, damit wir es essen!» (Lukas 22,7-8)

Seit 2016 gibt es die Aktion Karwoche ist Care-Woche des Vereins «Wirtschaft ist Care».
Das mittelhochdeutsche Kara bedeutet: Klage, Trauer, Sorge. Der Wortteil «Kar» ist mit dem englischen «Care» verwandt. Care bedeutet: sorgen, sich kümmern, fürsorglich sein.
Wie zentral Care-Arbeit (die fürsorgende, pflegende Arbeit) ist, haben die vergangenen Wochen gezeigt. Plötzlich sind die schulpflichtigen Kinder rund um die Uhr zu Hause. Wer betreut sie, wer unterstützt sie beim Homeschooling?
Das Pflegepersonal in den Spitälern, welches die letzten Jahre immer mehr weggespart wurde, wird plötzlich beklatscht. Ohne sie würde es nicht gehen.
Auch nicht ohne all die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Logistikbetrieben und im Lebensmittelbereich und noch in vielem mehr.
Werden sie in Zukunft nicht nur Applaus, sondern auch bessere Löhne erhalten und wird endlich genügend Pflegepersonal eingestellt werden?
Care-Arbeit wird im «normalen» Alltag von vielen Frauen und Männern (aber zum grössten Teil sind es Frauen) nebenbei und unbezahlt geleistet. Meist unsichtbar. Eigentlich müsste diese Arbeit im Zentrum der Wirtschaft stehen. Was wäre aus uns geworden, wenn am Anfang unseres Lebens nicht die Fürsorge unserer Eltern gestanden hätte? Was würde aus uns werden, wenn am Ende unseres Lebens nicht Menschen wären, die sich um uns und für uns sorgen? Könnten wir in der Mitte unseres Lebens produktiv sein ohne Menschen, die auf irgendeine Weise «Care-Arbeit» leisten? Bezahlt und unbezahlt?
Der heutige Palmsonntag läutet die Karwoche ein. Eine Woche, die traditionell als Woche der Besinnung und der Trauer über den Leidensweg Jesu steht.
Was könnte es heissen diese Karwoche als Care-Woche, also als Fürsorge-Woche zu begehen? Denn steht eine fürsorgliche, sorgende Haltung nicht auch im Zentrum von Jesus Wirken? Wie oft hat er mit Menschen gegessen – unmöglich, wenn nicht Frauen für das feine Mahl gesorgt hätten. Die Heilungsgeschichten sind den meisten vertraut. Jesus begegnete seinen Mitmenschen fürsorglich. Und Jesus wurde auch von den Seinen umsorgt. Sein Leben beginnt als Kind in der Krippe, das auf die Fürsorge und Liebe der Eltern angewiesen ist.
Die Bibel erzählt sein Wirken als Begegnungsgeschichten der Fürsorge, könnte man sagen: da waren Maria und Marta, die ihn bewirteten. Da waren Susanna, Johanna, Maria aus Magdala und einige mehr, die mit ihrem Geld die Jesusbewegung unterstützten. Da war die Frau in Bethanien, die Jesus vor seinem Tod liebevoll salbt. Und letztlich sind da Simon von Kyrene, der Jesus hilft das Kreuz zu tragen und Joseph von Arimathäa, der den Leichnam salben und ins Grab legen lässt.
Ein Leben ohne Care-Arbeit ist nicht möglich. Es war nicht mal für Jesus möglich.
So wünsche ich Ihnen eine besinnliche Care-Woche.
Amen

Pfr. Melanie Muhmenthaler

Der Animationsfilm "Wirtschaft ist Care"


https://vimeo.com/354588099